Weshalb von 100%-Verfügbar-Buttons nicht viel zu halten ist

Beitrag in Hosting, Monitoring von Dominik Vallendor - 5 April 2012 - Keine Kommentare

Auf vielen Webseiten von Webhosting-Unternehmen prangen prominent Buttons mit dem Ergebnis von Verfügbarkeitstests von Portalen wie webhostlist.de oder homepage-kosten.de. Insbesondere kleinere, weniger etablierte Unternehmen versuchen durch Messergebnisse von 100% den Eindruck einer hohen Verfügbarkeit und somit auch Professionalität zu erwecken. Weshalb dies nicht zwangsläufig so ist, bzw. weshalb der Button genau das Gegenteil aussagen kann, möchte ich hier kurz erläutern:

Als erstes stellt sich die Frage, was mit 100% Verfügbarkeit überhaupt gemeint ist. In der Regel messen die Portale in regelmäßigen Abständen, ob eine vom Webhosting-Unternehmer angegebene Webseite bzw. die Firmenhomepage erreichbar ist. Meistens sind diese Messintervalle jedoch sehr groß. webhostlist.de üpberprüft zum Beispiel nur ein mal pro Stunde, ob die Webseite erreichbar ist. D.h. Ausfälle von bis zu einer Stunde Länge, welche zwischen den beiden Messungen liegen, bekommt der Dienst überhaupt nicht mit. So kann es z.B. bedingt durch Cronjobs eine regelmäßige Serverüberlast geben, welche jede Stunde auftritt. In dieser Zeit ist der Server nicht erreichbar. Das Portal meldet trotzdem eine Verfügbarkeit von 100%. Lediglich sehr schlechte Provider, welche regelmäßig Ausfälle von mehreren Stunden haben, lassen sich auf diese Weise finden.

Unser eigene Serverüberwachung überprüft stattdessen jede Minute, ob ein Server noch Webseiten ausliefert oder nicht (zusätzlich zu vielen weiteren Tests, wie z.B. der Systemtemperatur, Load, etc). Wenn Messungen dann mehrfach hintereinder fehl schlagen, wissen wir sofort, dass es sich nicht nur um ein sporadisch auftretendes Problem handelt und können bereits Minuten später eingreifen.

Webserver können von den Portalen außerdem prinzipbedingt nur darauf geprüft werden, ob sie Webseiten ausliefern oder nicht. Der Inhalt der Seiten wird jedoch nicht überprüft. So kann ein Server tagelang eine leere Seite zurückliefern und würde trotzdem eine Bestnote im Test erzielen. Andererseits kann es passieren, dass ein Server tatsächlich temporäre, sehr kurze Probleme hat, welche jedoch innerhalb von Minuten wieder behoben sind. Wenn ein Portal zu diesem Zeitpunkt kontrolliert, wird dem Server jedoch gleich eine schlechte Verfügbarkeit von mindestens einer Stunde unterstellt. Bei kurzzeitig auftretenden Ausfällen in regelmäßigen Intervallen (z.B. der oben bereits erwähnte Cronjob) kann dies zu einer sehr starken Abwertung des Servers führen, obwohl dieser 99,9% der Zeit sehr gut erreichbar ist. Man kann also zusammenfassend sagen: ein Messintervall von 60 Minuten ist deutlich zu lange.

Doch nehmen wir an, wir haben ein Portal gefunden, das in deutlich kürzeren Intervallen kontrolliert, z.B. alle 5 Minuten oder sogar noch öfter. Wenn meine Webseite dann dauerhaft eine Verfügbarkeit von 100% erzielt ist alles perfekt? Falls Sie eine Webseite auf einem Hochverfügbarkeitscluster betreiben, kann dies tatsächlich der Fall sein. Falls es sich jedoch nur um einen „normalen“ Webserver handelt würde ich eher das Gegenteil behaupten. Wieso ist das so?

Server müssen regelmäßig gewartet werden. D.h. es müssen in festen Zeitabständen Aktualisierungen der installierten Software vorgenommen werden, insbesondere um neu bekannt gewordene Sicherheitslücken zu schließen. Idealerweise werden Server sogar auf solche Sicherheitslücken hin überwacht und beim Bekanntwerden von neuen Problemen sofort aktualisiert, wie es bei unseren Systemen der Fall ist. Erfahrungsgemäß findet sich jedoch in regelmäßigen Abständen neue Sicherheitslücken in weit verbreiteter Software – angefangen von eingesetzten Bibliotheken, kleinen Hilfsprogrammen bis hin zu handfesten Kernel-Fehlern, welche es einem Angreifer erlauben, Root-Rechte auf einem Server zu erlangen. Um diese Software zu aktualisieren müssen die entsprechenden Dienste jedoch neu gestartet werden. Die Installation eines neuen Kernels ist mit einem Reboot und somit einem Ausfall von mindestens fünf Minuten verbunden. Wenn ein Server also eine dauerhafte Verfügbarkeit von 100% ausweist kann dies nur bedeuten, dass dieser nicht gewartet wird und daher höchstwahrscheinlich bereits diverse Sicherheitslücken aufweist.

Schlussendlich ist also die reine Verfügbarkeit allenfalls ein Indikator dafür, dass etwas gehörig schief läuft. In der Zone zwischen „es läuft so leidlich“ und „perfekt“ liefert ein solcher Test aber keine relevante Information.



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